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Server & Virtualisierung

Proxmox statt VMware: was der Umstieg wirklich bedeutet

Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom wurden Lizenzierung und Vertrieb umgestellt: weg von Einzelprodukten und Perpetual-Lizenzen, hin zu Abonnement-Bundles. Für kleine Umgebungen hat das die Rechnung spürbar verändert – und Proxmox VE zur meistgeprüften Alternative gemacht.

Veröffentlicht am 05.08.2026 · Lesezeit 7 Minuten · Arti-IT, Heiligenhaus

Was Proxmox VE ist – und was nicht

Proxmox VE ist eine Virtualisierungsplattform auf Debian-Basis. Sie kombiniert KVM für vollwertige virtuelle Maschinen und LXC für Container, bringt eine Weboberfläche mit, unterstützt Cluster mit Live-Migration, Hochverfügbarkeit, ZFS und Ceph. Der Quellcode ist offen; Geld kostet das Subscription-Repository mit Support, nicht die Nutzung selbst.

Was Proxmox nicht ist: ein Eins-zu-eins-Ersatz für einen kompletten VMware-Stack samt Ökosystem. Wer NSX, vSAN in großem Maßstab oder tief integrierte Drittanbieterlösungen nutzt, vergleicht keine gleichwertigen Größen. Für die typische Umgebung eines kleinen Betriebs – zwei bis drei Hosts, ein Dutzend VMs, Fileserver, Warenwirtschaft, Domänencontroller – ist der Funktionsumfang dagegen mehr als ausreichend.

Vor dem Umstieg: fünf Punkte klären

  • Fachanwendungen und Herstellersupport. Der wichtigste Punkt zuerst: Unterstützt der Hersteller Ihrer Warenwirtschaft oder Branchensoftware den Betrieb auf KVM? Manche zertifizieren ausschließlich VMware oder Hyper-V. Diese Frage entscheidet oft allein.
  • Backup-Kette. Sichert Ihre bestehende Backup-Lösung Proxmox-VMs? Es gibt den kostenlosen Proxmox Backup Server, und mehrere etablierte Hersteller unterstützen die Plattform inzwischen – prüfen sollte man es trotzdem vorher, nicht mittendrin.
  • Storage-Konzept. ZFS auf lokalen Platten, ein SAN per iSCSI, Ceph im Cluster: Die Entscheidung fällt vor der Migration, weil sie den Aufbau bestimmt.
  • Wer betreut es? Proxmox ist Linux. Wenn im Haus niemand damit umgehen kann und kein Dienstleister dahintersteht, ist der günstigere Preis schnell aufgezehrt.
  • Realistischer Kostenvergleich. Nicht nur Lizenz gegen Lizenz, sondern inklusive Support, Backup, Schulung und Migrationsaufwand.

Wie eine Migration typischerweise abläuft

  • 1. Bestandsaufnahme. Welche VMs laufen, mit welchen Ressourcen, welchen Abhängigkeiten und welchen Wartungsfenstern? Was kann parallel laufen, was nicht?
  • 2. Zielaufbau. Proxmox auf neuer oder freigeräumter Hardware installieren, Netzwerk, Storage und Berechtigungen einrichten – bevor eine einzige VM umzieht.
  • 3. Testmigration. Eine unkritische VM zuerst. Proxmox kann VMware-Disks importieren; anschließend werden Treiber (VirtIO) und Gasttools angepasst.
  • 4. Migrationswellen. Nach Kritikalität gestaffelt, jede mit definiertem Rückfallpunkt. Die alte Umgebung bleibt so lange stehen, bis alles läuft.
  • 5. Backup und Restore-Test. Erst wenn eine migrierte VM erfolgreich aus dem Backup zurückgespielt wurde, gilt die Migration als abgeschlossen.

Migrationen legen wir bewusst auf Randzeiten oder das Wochenende – bei uns ohne Wochenendaufschlag, weil der Betrieb sonst stillsteht.

Wann ein Wechsel keine gute Idee ist

Ehrlichkeitshalber: Es gibt Fälle, in denen Bleiben die bessere Entscheidung ist.

  • Die Branchensoftware wird ausschließlich auf VMware oder Hyper-V unterstützt und ist geschäftskritisch.
  • Es laufen tief integrierte Drittanbieter-Werkzeuge, für die es keine Entsprechung gibt.
  • Der bestehende Vertrag läuft noch lange und die Umgebung ist stabil – dann ist der richtige Zeitpunkt der nächste Hardwarezyklus, nicht heute.
  • Niemand kann die neue Plattform betreuen. Eine günstige Lizenz nützt nichts, wenn im Störungsfall niemand weiß, wo er hinschauen muss.

Wer dagegen ohnehin vor einem Hardwarewechsel steht, mit zwei oder drei Hosts arbeitet und keine exotischen Abhängigkeiten hat, findet in Proxmox meist eine solide und deutlich günstigere Grundlage.

Häufige Fragen

Ist Proxmox wirklich kostenlos?

Die Software ist quelloffen und ohne Lizenzgebühr nutzbar. Kostenpflichtig ist das Subscription-Repository mit geprüften Updates und Herstellersupport, gestaffelt pro CPU-Sockel. Für produktive Umgebungen ist eine Subscription empfehlenswert.

Können bestehende VMware-VMs übernommen werden?

In der Regel ja. Die virtuellen Festplatten lassen sich importieren; danach werden Treiber und Gasttools angepasst. Windows-VMs brauchen die VirtIO-Treiber, damit Platte und Netzwerk performant laufen.

Wie lange dauert eine Migration für zehn VMs?

Das hängt von Datenmenge, Storage und Abhängigkeiten ab. Planbar wird es durch Wellen: Testmigration, dann unkritische Systeme, zuletzt die geschäftskritischen – jeweils mit Rückfallpunkt. Realistisch ist das kein Nachmittag, sondern ein Projekt mit mehreren Wartungsfenstern.

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